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Touristik

Stadtrundgang durch die Altstadt von Wetter

Der Marktplatz

Am unteren Rand steht das Rathaus. Das heutige Gebäude entstand 1680, nachdem der Vorgängerbau dem großen Stadtbrand von 1649 zum Opfer gefallen war.

In der Vergangenheit erfuhr das Rathaus (1) mehrere Umbauten. Zuletzt wurde es zwischen 1988 und 1991 grundlegend saniert und mit einem komfortablen Anbau versehen.

Bis heute hat das Gebäude eine vielschichtige Nutzung erfahren. Zur Zeit seiner Erbauung war es nicht nur Sitz der städtischen Verwaltung, sondern auch Sitz des Niedergerichtes, d. h. des Gerichtes für kleinere Vergehen wie z. B. Feldfrevel, kleinere Diebstähle, Streitereien unter den Einwohnern und vieles mehr. Deshalb befand sich auch auf dem Platz vor dem Rathaus das Halseisen, in das die Verurteilten eingeschlossen und öffentlich zur Schau gestellt wurden.

Das Rathaus war auch der Feuerwehrstützpunkt. Rechts vom Eingang befand sich das ehemalige "Spritzenhaus". Hier lagerten die Feuerlöschgeräte wie lederne Feuerlöscheimer, Feuerhaken und Leitern. Darüber hinaus verfügte das Rathaus über einen großen Saal für städtische Feierlichkeiten. 1783 existierte in der ersten Etage eine Wirtschaft, in der Bier und Branntwein ausgeschenkt wurden. Diese Nutzungungen gehören längst der Vergangenheit an. Heute befinden sich im Rathaus die Stadtverwaltung und das Büro des Bürgermeisters.

Die Renterei

Oberhalb des Marktplatzes befand sich die ehemalige Renterei. Wo heute das verschieferte Wohnhaus die Besucher grüßt, stand bis 1889 der "Herrenbau", die mächtige Scheune des Rentmeisters. Der Rentmeister war der höchste Beamte der Landgrafen vor Ort, dem die Aufsicht über die Stadt und den gesamten Verwaltungsbezirk oblag. Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählten die Erhebung und der Einzug von Steuern, die in früheren Zeiten in Geld und Naturabgaben gezahlt wurden.

Im Jahre 1821 wurde die Renterei aufgelöst. Damit verlor der "Herrenbau" seine Funktion und wurde abgebrochen. An seiner Stelle entstand das heutige Gebäude. Erhalten geblieben ist das ehemalige Amts-und Wohnhaus des Rentmeisters, das noch heute den Namen "Altes Amtshaus" (2) trägt.

Wie nachhaltig das frühere Steuersystem zum Beispiel in den Ablauf der Getreideernte eingriff, macht folgendes Beispiel deutlich: Die Wetterer Bürger waren dem Landesherren mit der elften Garbe abgabepflichtig oder, wie es heißt, zehntbar. Die Abgabepflicht der 11. Garbe wurde schon bei der Getreideernte auf dem Feld sichtbar. So war es üblich, jeweils zehn Garben zum Trocknen aufzustellen und die elfte darüberzulegen. War das Getreide abgetrocknet und bereit zum Einbringen, dann sammelte der vereidigte Zehntsammler die oberste, elfte Garbe ein, um sie im "Herrenbau" abzuliefern.

Die ältesten Fachwerkhäuser

Bevor wir weitergehen, werfen wir einen Blick auf die prächtigen Fachwerkhäuser auf der linken Seite des Marktplatzes. Sie haben die Brandkatastrophe 1649 überstanden. Zur Zeit werden sie grundlegend saniert. In ihnen entstehen moderne Wohnungen und Praxisräume. Auf diese Weise bleiben die alten Gebäude auch der Nachwelt erhalten.

Der Weg führt weiter durch die "Leitergasse". Auch hier werden im Zuge der Altstadtsanierung moderne Wohnungen innerhalb der alten Stadt geschaffen. Weiter den Berg hinab bestimmen kleinere Anwesen den Charakter der Gassen und Winkel.

Die Stadtbefestigung

Der Weg führt an den "Guckpfortenturm". (4) Die kräftige Sandsteinmauer mit rundem Turmansatz auf der linken Straßenseite ist Teil der ehemaligen Stadtbefestigung, die in weiten Teilen der Alstadt noch heute sichtbar sind.

Seit etwa 1400 umgaben eine Mauer und ein Graben, der teilweise mit Wasser gefüllt war, die Stadt. Fünf Türme ermöglichten ehemals den Blick ins Land und somit frühzeitige Warnung vor einem herannahenden Feind. Bis zur Errichtung der Stadtmauer bestand die Stadtbefestigung lediglich aus Zäunen, Hecken und Wällen, und bewehrte Tore sicherten den Zugang in die Stadt. Wetter hatte drei Stadttore: das Untertor von 1301, das Obertor von 1360 sowie das Mönchtor von 1528.

Im 18. Jahrhundert verloren die Tore und Stadtmauern endgültig ihre Schutzfunktion. Neue, wirkungsvollere Waffen hatten sie wirkungslos werden lassen. Als in der napoleonischen Zeit (1806 - 1810) den Bürger die lang ersehnte "Baufreiheit" gewährt wurde, verandten diese die nutzlos gewordene Stadtmauer als Steinbruch zum Neubau ihrer Häuser.

Reste der Stadtbefestigung haben sich in der gesamten Stadt erhalten. Wer Lust hat kann ihr auf schmalen Wegen folgen und so einzigartige Ein-und Ausblicke auf die alte Stadt erhalten.

Die ehemalige Synagoge

Zwischen den zahlreichen Häusergiebeln ragt ein eckiger Dachaufbau hervor. Er gehört zur ehemaligen Synagoge (5) in der Straße "An der Stadtmauer". Der fast quadratische , zweistöckige Fachwerkbau mit seinen symmetrisch angeordneten und heute vermauerten Rundbogenfenstern sowie der Dachkonstruktion mit Dareiter hebt sich deutlich von der übrigen Bebauung ab. In seiner architektonischen Formsprache entspricht das ehemalige jüdische Gotteshaus dem im 19. Jahrhundert weit verbreiteten Stil ländlicher Fachwerksynagogen.

Geweiht wurde das Gebäude am 10. September 1897. Am Abend des 10. November 1938 zerschlugen Nationalsozialisten die Fenster und Inneneinrichtung der Synagoge. Das Gebäude wurde 1939 verkauft und wird seither landwirtschaftlich genutzt. 1933 zählte die jüsiche Gemeinde von Wetter 87 Mitglieder, davon wanderten 50 Personen aus. Die Verbleibenden wurden in die Vernichtungslager deportiert.

Die Straßen in der Wetschaftsaue

Auf unserem Weg erreichen wir den "Römerplatz". Die Ortsbezeichnung verweist wahrscheinlich auf eine Familie Römer, die in diesem Teil der Stadt ein Anwesen besaß, und deren Namen sich im Laufe der Zeit auf den gesamten Platz übertrug. Die Straßenbezeichnung "Mönchtor" erinnert an das ehemalige Stadttor und an den Stiftsbesitz vor den Toren der Stadt.

Geradeaus weitergehend, erreichen wir nach wenigen Schritten die "Fuhrstraße", Hauptgeschäftsstraße von Wetter. Im unteren Teil der Häuser befinden sich Läden, die oberen Geschosse bestehen aus einer Fachwerkkonstruktion, deren Balkenwerk zum Teil Inschriften zieren. Der Weg geht vorbei an der Einmündung der Straße "Untertor". Wie schon der Name andeutet, stand hier ehemals ein Stadttor, das "Untertor", oder, wie es noch früher hieß, das "Rospher Tor". Nahe der ehemaligen Toranlage befand sich der "Hainaer Hof", auch "Mönchshof" genannt. Von ihm sind nur noch Reste erhalten, auf dem ehemaligen Areal steht ein Fachwerkhaus mit einer Bäckerei im Erdgeschoss. (6) Der "Hainaer Hof" war der "Zehnthof" des Klosters Haina, also Sammelstelle für die Abgaben, die das Kloster von den hier gelegenen Besitzungen einzog.

Der Weg führt weiter bis zur Brücke. (7) Hier, wo heute die steinerne Brücke das Wasser überspannt, befand sich die Furt, durch die in früheren Zeiten die Wagen die Wetschaft querten. Jenseits der Wetschaft die Nächstenmühle, sie war eine von drei Mühlen, die ehemals zum Besitz des Stifts gehörten. Heute ist der Mühlengraben zugeschüttet, aber ein aus dem 20. Jahrhundert stammendes Mühlengebäude blieb erhalten.

Im Zentrum der alten Stadt

Wenden wir uns nun wieder dem Zentrum der alten Stadt zu. Wir folgen der "Fuhrstraße" in entgegengesetzter Richtung, zum Rathaus. Es wird eng. Dicht gedrängt stehen hier Häuser an der Straße. Der rege Durchgangsverkehr lässt Fußgängern kaum Raum. Nach dem Bahnbau entwickelte sich die ebene und breite Bahnhofsstraße, in Verlängerung mit der unteren "Fuhrstraße", zur zweiten Hauptgeschäftsstraße Wetters. Viele derjenigen Geschäfte, die im steilen und engen oberen Teil der "Fuhrstraße" lagen, sind inzwischen geschlossen. Moderne Verkehrsmittel, erst die Bahn, dann vor allem das Auto, haben scheinbar über die alte Stadt gesiegt. Hinzu kommt, dass die alten Fachwerkhäuser den heutigen Wohnansprüchen nicht mehr genügen. Doch die Bürger der Stadt haben vor diesem Problem nicht kapituliert. Seit einigen Jahren werden die alten Häuser saniert und wieder bewohnbar gemacht. Wie erfolgreich diese Bemühen sind, zeigt ein Blick in die "Krämergasse".

Die evangelische Pfarrkirche

Kurz vor dem Rathaus verlassen wir die "Fuhrstraße" und steigen die Treppe links hinauf. Auf halber Höhe steht das Gebäude der ehemaligen reformierten Schule (8) und wenige Schritte weiter gelangen wir vor die ehemalige Stiftskriche St. Maria und heutige evangelische Pfarrkirche der Stadt Wetter (9).

Das gotische Gotteshaus entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. In ihren Architekturformen folgt die Stiftskirche der Marburger Elisabethkirche und der Klosterkirche von Haina. In den letzten Jahren wurde das Mauerwerk der Stiftskirche einer umfassenden Restaurierung unterzogen. Umwelteinflüsse, Risse im Mauerwerk und Steinfraß hatten diese notwendig gemacht.

Die jetzige, weit ins Land grüßende Turmspitze enstand 1957. Sie hatte mindestens drei Vorgänger. Mit seinem 1506 errichteten Helm war der Kirchturm bei einer Höhe von 100 Metern lange Zeit der höchste Hessens, bis er 1783 gekürzt wurde.

Wir betreten die Kirche durch das Portal an der Nordseite und gehen unter der Orgelempore hindurch zum Mittelschiff. Jetzt wird deutlich, dass der Grundriss der Stiftskriche ein Kreuz beschreibt, dessen Längsachse als Langhaus und dessen Querachse als Querhaus bezeichnet werden. Das heutige Erscheinungsbild des Kircheninneren mit den farbigen gefassten Wänden entstand 1961 und zeigt die Farbgebung des 13. Jahrhunderts.

In den 700 Jahren ihres Bestehens hat die Ausstattung der Stiftskirche zahlreiche Veränderungen erfahren, die wohl nachhaltigste mit der Einführung der Reformation 1527. In den folgenden Jahren wurden alle Dinge aus dem Kirchenraum entfernt, die in ihrer Darstellung dem Geist der neuen Lehre widersprachen, und die farbenfrohe Wandbemalung weiß übertüncht. Gleichzeitig wurden die Fensteröffnungen des Hohen Chors zugemauert. Hier fand jetzt die Orgel ihren Platz. Im Kircheninnern enstanden Emporen und Stände, in denen die Wetterer Familien, streng nach Berufen und sozialer Hierarchie geordnet, ihre Plätze einnahmen.

Eine durchgreifende Renovierung und Veränderung in der Innenaustattung der Stiftskirche erfolgte zwischen 1858 und 1864. Damals entfernte man alle Einbauten öffnete Chorfenster und verlegte die Orgel in den Westteil der Kirche.

Wenden wir uns nun der reichhaltigen Kirchenausstattung zu. An der südlichen Seitenschiffwand treffen wir auf eindrucksvolle Grabdenkmäler und Epitaphien aus dem 16. und 18. Jahrhundert und die romantische Pforte.

Im Südchor erblicken wir das Denkmal für die Stifterinnen des Kanonissenstifts Almudis und Digmudis aus dem 13. Jahrhundert. Die lateinische Inschrift auf der schlichten Sandsteinplatte lautet in der Übersetzung ins Deutsche:

"Almudis mein Leben war kurz. Sie her, wer du auch siehst, hier habe ich ehedem ein Gotteshaus errichtet und Einkünfte hinterlassen; Ihr bin ich, Dicmudis, nachgefolgt. Die Führung des Konvents habe ich innegehabt und vielen hilfreichen Beistand gewährt."

Umrahmt wird der "Gründerstein" von Grabdenkmälern der Stiftsvögte und ihrer Angehörigen.

Der Weg führt weiter durch die "Vierung", hier kreuzen sich Lang- und Querhaus, und es entsteht ein Rechteck, eben die "Vierung". Auf dem Hauptaltar im Hohen Chor erhebt sich das spätromanische Altarbild (Retabel). Entstanden um 1240, zählt es zu den ältesten Hessens. Dargestellt sind unter plastisch gestalteten Rundbögen sieben Szenen aus dem Leiden Christi. Der rechte Bogen enthält die Darstellung des Stifters mit entblößtem Haupt. Möglicherweise gehörte das Altarbild zur Ausstattung der romanischen Vorgängerkirche und wurde in den Neubau der heutigen Kirche übernommen. Nach Einführung der Reformation entfernte man das auf Holz gemalte Altarbild und baute es in das Frauengestühl ein. Auf diese Weise überdauerte es die Zeit bis zur Kirchenrenovierung im 19. Jahrhundert.

Die Nordseite schmückt ein Fresko aus dem frühen 16. Jahrhundert mit der Krönung Marias. Maria ist vor einer flammenden Sonnenscheibe auf der Mondsichel stehend dargestellt. Auf dem Arm hält sie den Jesusknaben, der einen Sperber mit den Samen einer Mohnkapsel füttert. Über dem Haupt Marias befindet sich ein Baldachin, unter dem zwei Engel schweben. Im unteren Teil des Freskos sind die Kanonissinnen Almudis und Digmudis als Betende im Gewand der Benediktinerinnen zu sehen. Unterhalb der Wandmalerei ein reich verzierter Zelebrantenstuhl von 1466. Besonders beeindruckt die Darstellung der Himmelskönigin Maria mit dem Kind an der Seitenwange des Gestühls.

Neben dem Eingang zur Sakristeil liegt die Sakramentsnische aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Die farbigen Glasfenster im Hohen Chor entstanden 1962. Zwei Fenster mit Engelsdarstellungen als himmlischen Wächtern zu beiden Seiten des Hochaltars bilden den Rahmen für die drei Mittelfenster, die Szenen aus dem Alten und NeuenTestament zeigen. Besonders farbenprächtig gestaltet ist das Schöpfungsthema. Das Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert vor dem Hauptaltar hat die Form eines Kelches. Ihn halten sechs Säulen aus Löwenköpfen.

Im Hohen Chor steht heute der Wettere Gotteskasten. Es handelt sich um die an der Südwand stehende gotische True mit fünf Schlössern aus dem Jahre 1530. Im Gottskasten wurden ehemals die Einkünfte aus den Kollekten, dem Grundbesitz, aus Almosen, Stiftungen, Spenden und Zinsen aufbewahrt. Einmal im Jahr, acht Tage nach Michaelis, am 29. September, wurde der Kasten geöffnet, dann versammelten sich der Kastenmeister, der Pfarrer, der Rentmeister oder der Schultheiß zum Zählen des Inhalts. Der Kasten konnte nur geöffnet werden, wenn Pfarrer und Kastenmeister mit ihren unterschiedlichen Schlüsseln beisammen waren. Mit den Einnahmen aus dem Gotteskasten erfolgte die Bezahlung der Geistlichen, der städtischen Armen- und Krankenpflege sowie der Rechnungen zur Bauunterhaltung der Stiftskirche.

Der Blick nach Westen durch das Langhaus geht zur barocken Orgel. Sie entstand im Jahre 1766, wurde in den vergangenen Jahren grundlegend restauriert und klingt nun wie zu ihrer Erbauungszeit.

Im Ostchor haben zwei Gedenksteine Aufstellung gefunden. Bemerkenswert ist der Stein, den der Wetterer Schultheiß Heinrich Botterweck im Jahre 1638 für seine Frau und seine sieben Kinder aufstellen ließ, die ein Jahr zuvor an der Pest verstorben waren.

Wir lassen die Kirche und gehen noch wenige Schritte bergan. Hier beginnt der ehemalige Stiftsbezirk, zu dem auch die Kirche zählte.

Das Kanonissenstift

Wie schon erwähnt, gründeten 1015 die angelsächsichen Prinzessinen Almudis und Digmudis auf dem heutigen Klosterberg ein Kanonissenstift.

Kanonissen verstehen sich als gottgeweihte Jungfrauen, die gemäß den Kirchengesetzen leben und arbeiten, sie sind aber keine Nonnen und tragen bürgerliche Kleidung. In einem Stift lebten in der Regel 10 Stiftsdamen. Sie waren adliger Herkunft und brachten beim Eintritt in das Stift eine angemessene Mitgift mit, von der sie ihren eigenen Unterhalt und den des Stifts bestritten. Zahlreiche Schenkungen aus der Ritterschaft vermehrten im Laufe der Zeit den Besitz des Wetterschen Stifts.

Ehemals war das Areal von einer Mauer umgeben, dessen Rückseite die Stadtmauer berührte. Von den einst die Kirchen umgebenden Stiftsgebäude sind nur noch Mauerreste erhalten. Zu erwähnen ist die romanische Pforte an der Südseite der Kirche, die vermutlich in den inneren Stiftsbezirk führte.

An der zur Stadt hin liegenden Kirchenseite befand sich ehemals der städtische Friedhof. Er wurde später vor die Stadtmauer verlegt.

Nach Einführung der Reformation 1527 wurde das Stift aufgelöst. Die Stiftsdamen erhielten eine Abfindung und mussten die Gebäude verlassen. Der umfangreiche Stiftsbesitz wurde aufgeteilt. Ein Teil fiel an die hessische Ritterschaft zur Versorgung der unverheirateten Töchter. Aus der Stiftsschule wurde die städtische Lateinschule, und in das "Vierherrenhaus" der ehemaligen Stiftspriester zog das Armenhospital der Stadt. Das Patronatsrecht der Stiftskirche ging auf die Stadt über.

Auf dem Klosterberg

Wir verlassen den Kirchenbezirk und wenden uns dem von Bäumen bestandenen Platz zu. Drei große steinerne Gebäude und zwei Fachwerkhäuser bestimmen das Areal. Auf der Stirnseite steht die alte Schule von 1906, in der bis 1984 unterrichtet wurde. Heute hat hier das Stadtarchiv seinen Sitz (10).

Wetter blickt auf eine lange Schultradition zurück. Mit den Kanonissen kam auch die erste Schule in die Stadt. Die Stiftsdamen unterrichteten vor allem junge Mädchen, die später in das Stift eintreten wollten, in Latein, Gebet und Kirchengesang. Nach der Auflösung des Stifts blieb die Lateinschule erhalten und wurde zu einer bedeutenden Lehranstalt ausgebaut. Nun unterrichtete man die Knaben aus der Wetterer Bürgerschaft und bereitete sie auf den Besuch der Universität vor. Die Absolventen der Wetterer Lateinschule genossen wegen ihres guten Bildungsstandes hohes Ansehen an den deutschen Universitäten. Wie lange die Laiteinschule bestand, ist unbekannt. 1783 gab es in der Stadt neben dieser zwei weitere Knabenschulen: die evangelische - lutherische Knabenschule auf dem Kirchplatz und die reformierte Schule im heutigen Gebäude Marktplatz Nr. 3. Diese beiden Lehranstalten wurden 1819 vereinigt. Es existierte außerdem eine Mädchenschule, deren Standtort jedoch unbekannt ist.

Links neben der alten Schule steht das Gebäude des ehemaligen Hospitals von 1907, in dem bis 1977 bedürftige alte Menschen betreut wurden (11). Ein Weg zwischen dem ehemaligen Hospital und der alten Schule führt mit wenigen Schritten zum Diebsturm (12). Ursprünglich gehörte der Turm zur Stadtbefestigung. Sein Name verdeutlicht, dass die Türme auf der Stadtmauer auch als Gefängnisse dienten. Später soll der Diebsturm von einer neunköpfigen Familie bewohnt worden sein.

Mit Einführung des elektrischen Lichts wurde der Turm mit einem Helm versehen und in seinem Inneren die Transformatorenstation eingerichtet. Seit 1945 der Blitz die Station zerstörte und das Dach abbrannte, dient der Diebsturm verschiedenen Vogelarten als Brutstätte.

Die Pfarrhäuser auf dem Klosterberg

Mit der Umwandlung der Stiftskirche zur Pfarrkirche zogen die für Wetter und Mellnau zuständigen Pfarrer mit ihren Familien auf den Klosterberg. Jeder erhielt ein eigenes Pfarrhaus. Das alte Pfarrhaus I mit seiner barocken Eingangstür wurde 1984 grundlegen saniert und dient heute als Wohnhaus für ältere Menschen (13). 1908 trug man das Pfarrhaus II ab und errichtete einen Neubau. Das abgebrochene Pfarrhaus II wurde nach Marburg-Cappel verkauft, dort wieder errichtet und wird bis heute als Wohnhaus genutzt. Der Weg führt den Berg hinauf. Hinter den Häuschen gut sichtbar ist die Stadtmauer, dahinter der alte Friedhof (14). Vorbei am Gemeindezentrum (15) folgen wir der schmalen Straße und den Berg hinab zum Ausgangspunkt unseres Stadtrundganges, dem "Marktplatz".

Hier endet unser Spaziergang durch die Stadt. Wir hoffen, er hat Ihnen Freude bereitet und Ihnen die Stadt Wetter etwas näher gebracht.

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Teile der historischen Stadtmauer von Wetter
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Die Stiftskirche auf dem Klosterberg in Wetter
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Das Rathaus in Wetter
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