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"Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser"
Presseinformation vom 29. Juni 2009
„Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser" von der Dauphiné in Frankreich nach Bad Karlshafen: am 25. Juni 2009 wurde in Neu-Isenburg ein nationaler Trägerverein für den Europäischen Kulturfernwanderweg gegründet
Am 25. Juni 2009 gründete sich unter der Schirmherrschaft von Frau Staatssekretärin Nicola Beer, Hessisches Ministerium der Justiz, für Europa und Integration der nationale deutsche Trägerverein innerhalb des europäischen Kulturfernwanderwegprojekts „Auf den Suren der Hugenotten und Waldenser“.
Der neu gegründete Verein verfolgt folgende Zielsetzungen:
Mit dem europäischen Kulturwanderweg soll das historische Kulturerbe in seiner Bedeutung für die kulturelle Identität im öffentlichen Bewusstsein verankert, breiten Bevölkerungskreisen zugänglich gemacht und den Mitgliedskommunen, -vereinen und -einrichtungen dazu geeignete Instrumentarien in die Hand gegeben werden. Regionale Maßnahmen in den Erlebnisräumen und Regionalforen sollen zusammengeführt werden.
Der Verein „Hugenotten- und Waldenserpfad“ ist Teil einer europäischen Kooperation mit Partnern in Italien, Frankreich und der Schweiz, die gemeinsam Verantwortung für die Gründung, Umsetzung und Erhaltung des Europäischen Kulturwanderwegs „Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser“ tragen. Die Konzeption dieses Kulturwanderwegs erinnert daran, dass Flucht, Exil, Toleranz und Integration auch heute einen Schwerpunkt gesellschaftlicher und politischer Fragestellungen bilden. Der Fernwanderweg verfügt über eine eigene Qualitätscharta. Das historische Kulturerbe der Hugenotten und Waldenser in seiner herausragenden Bedeutung für die kulturelle Identität soll im öffentlichen Bewusstsein verankert, breiten Bevölkerungskreisen zugänglich gemacht und den Mitgliedern dazu Instrumentarien in die Hand gegeben werden.
Die Route des 1.800 km langen Kulturfernwanderwegs verläuft von dem Ort Poet-Laval im südfranzösischen Departement Rhone-Alpes über die südfranzösischen Alpen bis Genf, wo eine weitere Wegstrecke der Waldenser aus dem Piemont hinbzustößt. Weiter durch die Schweiz entlang der Aare über Schaffhausen nach Deutschland, über den Ostrand des Schwarzwaldes entlang des Neckars nach Norden in den Kraichgau führt die Route zum Odenwald. Von dort geht es weiter über das Rhein-Main-Gebiet bzw. den westlichen Spessart, den Hochtaunus, das Lahn-Dill-Bergland, Burgwald und Kellerwald bis in das nordhessische Bergland zum Endpunkt Bad Karlshafen. Dabei richtet sich die Routenführung nach den tatsächlichen historischen Flucht- und Wanderwegen.
Der Charakter des historischen Weges änderte sich im europäischen Maßstab: während es innerhalb Frankreichs ein Netz geheimer Pfade und Wege gab, wurden in der Schweiz und den deutschen Ländern offizielle Wege und Transportarten genutzt. Aus der Flucht wurde Schritt für Schritt und oft Jahre andauernd das Finden einer neuen Heimat. Die Hugenotten und Waldenser brachten dabei neue Techniken und Fertigkeiten mit: ein Technologie-Transfer, der sich über mehrere Generationen bis heute verfolgen lässt. Beispiele sind Textilverarbeitung, Uhrmacherhandwerk, Spargelanbau und die Techniken der Buchdruckerkunst. Der Wegverlauf ist in weitern Abschnitten bereits sehr detailliert abgestimmt und festgelegt, die ersten Wegstrecken werden in diesem Sommer markiert.
Die Stadt Marburg und der nördlich anschließende Burgwald ist von der Geschichte der Hugenotten und Waldenser geprägt worden. Hier fanden die Glaubensflüchtlinge in der Stadt Marburg selbst, auf dem Frauenberg, in Wetter-Todenhausen, Wohratal-Hertingshausen, Rauschenberg-Schwabendorf, Burgwald-Wiesenfeld und Frankenau-Louisendorf eine neue Heimat. In den Kolonien blieben die französische Sprache, traditionelle Sitten und Gebräuche lange erhalten. Viele französische Familiennamen Museen, Ortsbilder und bauhistorische Details erinnern bis heute an die Geschichte der Flüchtlinge.
Der Burgwald soll zu einem attraktiven Erlebnisraum an dem europäischen Kulturfernwanderweg entwickelt werden, in dem es viele Möglichkeiten gibt, das Kulturerbe zu entdecken. Die fünf Orte im Burgwald haben sich daher zusammengeschlossen, um gemeinsam kulturelle und wandertouristische Angebote zu entwickeln. Geplant ist, den entlang des Burgwaldpfads verlaufenden Hugenotten- und Waldenserpfad mit einem Wanderrundweg von Marburg über Schwabendorf sowie über Hertingshausen zu ergänzen. Für die Markierungsarbeiten, die ehrenamtlich von Aktiven aus den Orten übernommen werden, wurden bereits die ersten Maßnahmen ergriffen. So verfügen die Markierer über Schablonen mit dem Wegzeichen und wurden bereits für die Praxis geschult.
Der Burgwald ist über Gerhard Badouin, dem Vorsitzenden des Arbeitskreis Schwabendorf, in dem neuen nationalen Trägerverein vertreten. Badouin hat dort die Funktion eines Beisitzers im Vorstand übernommen. Das museum Daniel-Martin-Haus in Schwabendorf kann daher in Zukunft auch die Plakette des nationalen Trägervereins tragen.
Der Verein „Hugenotten- und Waldenserpfad“ übernimmt die Umsetzung des Projekts in Deutschland und sichert die Einbindung in den europäischen Zusammenhang. Er wird seinen Sitz in Neu-Isenburg haben.
Bürgermeister Oliver Quilling, Stadt Neu-Isenburg, begrüßte die Teilnehmer der Gründungsversammlung im Rathaus der Stadt Neu-Isenburg und betonte die historische Verbindung der Stadt zu der Geschichte der Hugenotten, die sich heute noch im Stadtbild ablesen läßt.
Projektkoordinatorin Dr. Renate Buchenauer führte in die Aufgaben und Ziele der Vereins in Gründung ein und bedankte sich bei allen, die das Projekt bisher hierher unterstützt und begleitet haben.
Frau Prof. Dr. Barbara Döhlemeyer, Max-Planck-Institut Frankfurt führte mit einem Vortrag „Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser“ in das Thema ein und zeigte die vielen materiellen und immateriellen thematischen Linien aus der Geschichte in die Gegenwart und die Zukunft auf.
Die Versammlungsleitung übernahm Herr Stadtverordnetenvorsteher Krummbiegel.
Nach Diskussion der Satzung wurde die Gründung des Vereins festgestellt und der neunköpfige Vorstand gewählt, dessen 1. Vorsitzender . Herr 1. Stadtrat Hunkel, Neu-Isenburgsei wird.
An der Gründungsversammlung nahmen etwa 50 Personen aus Hessen und Baden-Württemberg teil. Bei Vereinsgründung lagen 40 Beitrittserklärungen vor, insgesamt nahmen 32 Gründungsmitgliederan der Gründungsversammlung teil, darunter zahlreiche Kommunen, Landkreise, Kultur- und Wandervereine, Kirchengemeinden, regionale Verbände und interessierte Einzelpersonen.
Für sie ergibt sich aus der Vereinsmitgliedschaft eine Reihe von Vorteilen:
· Alle Mitglieder sind berechtigt, das Design des Projekts für ihr internes und
externes Marketing unter Beachtung der Qualitätskriterien zu benutzen;
· Städte und Gemeinden werden in die nationalen und internationalen Aktivitäten,
Beratungsangebote, Informations- und Öffentlichkeitsstrategien des Vereins
eingebunden und auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene direkt
beworben,
· sie gehören damit zu einem engen, vielseitigen europäischen Partnernetzwerk und
· profitieren von dem steigenden Besucherinteresse;
· Heimatvereine, Museen, Kirchengemeinden und Verbände profitieren von den
Vereinsangeboten (Veröffentlichungen, Informationsmaterialien, Ausstellungen,
Veranstaltungen, Schulungen) in Form steigender Besucherzahlen;
· Hotels und Gaststätten werden aktiv in die Werbestrategien eingebunden und
profitieren von einem hierdurch erhöhten Bekanntheitsgrad und steigenden Gäste-
und Übernachtungszahlen,
· sie können an Schulungen teilnehmen und erfahren als Mitgliedsbetrieb eine
besondere Qualitätsauszeichnung;
· Privatpersonen haben durch die Mitgliedschaft die Möglichkeit, sich und ihre
Interessen aktiv in die Vereinsarbeit einzubringen und den Vorteil von
Vergünstigungen.
Auf den Verein warten folgende aktuelle Aufgaben:
1. Einrichtung einer Geschäftsstelle,
2. Öffentlichkeits- und Informationsarbeit
3. Unterstützung der Mitglieder entlang der Wegstrecke bei der Realisierung des Weges
und der begleitenden touristischen und kulturellen Angebote
4. Erarbeitung eines Qualitäts-Handbuchs auf der Grundlage der internationalen
Qualitätscharta
5. Abstimmung von nationalen Projektmaßnahmen mit nationalen und europäischen
Förderprogrammen
6. Einstieg in die internationale Kooperation im Bereich der Kulturarbeit und des
touristischen Marketings
Vorläufige Koordinationsstelle:
Dr. Renate Buchenauer, Großseelheimerstr. 8, 35039 Marburg fff
Tel.: 06421/47673, E-Mail: planungsbuerodrbuchenauer@yahoo.de




